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Das neue Star Wars Großprojekt: The High Republic

Nachdem man in den Legends immer wieder mal auf The Old Republic zu sprechen kam, wagt sich der neue Kanon  in eine Ära vor, die sogar in den Legends ziemlich unerforscht blieb (und daher ziemlich unspannend wirkte)...

Die Gerüchte sind also wahr gewesen, vor allem nachdem einer der Mit-Autoren des neuen Projekts (Charles Soule) in den Kylo Ren-Comics bereits einen möglichen Außenposten der Jedi in der High Republic-Ära vorstellte (inklusive Holocron mit einer möglichen Protagonistin und name dropping). Project Luminous ist also nicht länger ominös und als Fan der Old Republic kann man beruhigt weiter leben, denn der neue Kanon wird nun nicht versuchen die Geschichte neu zu schreiben.

 

Mich persönlich hat The High Republic (THR?) zunächst eher kalt gelassen, was eben an meinen Erfahrungen mit den Legends-Interpretationen der Geschichte der Republik bis zu den Klonkriegen zu tun hat. Ich bin sehr stark von den JEDI PADAWAN und JEDI QUEST-Jugendbüchern geprägt, was die Rolle des alten Jedi-Ordens als Friedenshüter betrifft und somit erwarte ich nicht viel von Romanen in der Ära vor Episode II. Das legt die Latte natürlich ziemlich tief und wenn dann Romane wie Claudia Grays MASTER AND APPRENTICE oder das Hörspiel DOOKU: JEDI LOST erscheinen bin ich angenehm überrascht, denn in den Legends waren es gerade einmal die Comics welche wirklich große Konflikte vor Episode I beschrieben. Zwischen Episode I und II fehlten dann sogar diese großen Konflikte.

 

THR hat in meinen Augen den Vorteil anders angelegt zu sein als frühere Legends-Projekte, da es sich nicht ausschließlich um einen Romanzyklus handelt (wie THE NEW JEDI ORDER, LEGACY OF THE FORCE oder FATE OF THE JEDI), sondern um eine Kombination aus Romanen, Jugendbüchern und Comics, etwas das es in den Legends immer nur ansatzweise gab. So wurden die NJO-Romane erst relativ spät um die Comicserie INVASION ergänzt und in den Comics populäre Reihen wie LEGACY oder KNIGHTS OF THE OLD REPUBLIC (die Comics von John Jackson Miller, welche nur am Rande einen Bezug zum Videospiel und THE OLD REPUBLIC enthalten) erhielten nie einen Roman. Aber gerade in der späten Ära des Expanded Universe lassen sich vielleicht die Grundlagen entdecken, auf welchen THR nun aufbauen wird. So gab es die Comicreihe DAWN OF THE JEDI, welche aus einer Comicserie und einem Roman bestand, ebenso wie KNIGHT ERRANT, eine andere Comicreihe die einen Roman erhielt, der die Hintergrundgeschichte des Comics ergänzte. Und sogar die Kurzgeschichtenreihe LOST TRIBE OF THE SITH erhielt eine Comicfortsetzung und war indirekt mit den FATE OF THE JEDI-Romanen verbunden. Man hat das Rad mit THE HIGH REPUBLIC also nicht neu erfunden, sondern versucht wohl eines jener Großprojekte zu stemmen, dass beim Untergang des EU mituntergegangen ist. Wobei ich nicht behaupte, dass THR auch in der Legends-Kontinuität geplant gewesen wäre. Ich meine lediglich, dass ein Großprojekt vom Umfang von THR durchaus auch in der Legends-Kontinuität funktioniert haben könnte, wäre man nicht wegen des Verkaufs an Disney und des Lizenzwechsels bei den Comics (von Dark Horse zu Marvel) an seine Grenzen gestoßen. Die letzten Großprojekte der Legends blieben enttäuschenderweise unvollständig, wofür manche Fans mangelnde Qualität oder budgetäre Beschränkungen verantwortlich machen. Ich für meinen Teil tendiere zur Ansicht, dass irgendwo der Wille fehlte diese Projekte zu einem großen Erfolg zu machen. Dieser Wille mag auch zum Teil im Fandom gefehlt haben.

 

DAWN OF THE JEDI, KNIGHT ERRANT und LOST TRIBE OF THE SITH hatten allesamt Aspekte die mir als Fan nicht gefielen, aber eben auch solche die mich bei der Stange hielten. Alle drei Reihen liefen nicht lange genug, um mich wirklich zur Überzeugung zu verleiten sie wären schlecht gewesen. Sie waren zu kurz, um ein wirklich faires Urteil zu ermöglichen, wie bei Serien die bereits nach der ersten Staffel beendet werden. THR darf sich freuen, dass man in den nächsten Jahren womöglich noch eine aktivere Star Wars-Community besitzen wird, anders als bei den genannten Legends-Reihen welche erst mehrere Jahre nach Episode III erschienen und keinen Popularitätsbonus dieser Art für sich nutzen konnten. So gesehen dürfte sich dieses Projekt ganz gut verkaufen, es muss sich aber erst beweisen.

 

Natürlich könnte die Etablierung einer neuen Ära auch Videospiele nach sich ziehen, vielleicht sogar vom Format eines Knights of the Old Republic oder eines neuen Star Wars-MMOs. Doch die Star Wars-Lizenz für Videospiele wird nur noch bis 2023 bei Electronic Arts liegen, ein MMO wäre daher eher unwahrscheinlich. EA hat sehr wenig mit der Star Wars-Lizenz bewirkt, mal abgesehen von zwei Battlefront-Titeln, sowie JEDI: FALLEN ORDER. Eine ganze Menge anderer Projekte wurde über die Jahre eingestellt und das ist überraschend, wenn man bedenkt wie wir während der Prequel-Trilogie mit dutzenden Star Wars-Games unterschiedlichster Qualität beglückt wurden. Doch damals hatte eben auch niemand ein Monopol auf Star Wars-Spiele. Ich würde also mal davon ausgehen, dass 2023 nicht einfach dazu führen wird, dass Disney das Monopol für Star Wars-Spiele an Activision-Blizzard oder Ubisoft vergibt, sondern sich eine flexiblere und lukrativere Lösung einfallen lässt. 2023 liegt noch weit in der Zukunft, da 2022 und 2024 auch die nächsten Star Wars-Filme erscheinen sollen. Problematisch wäre daran, dass mit einem Lizenzwechsel erst die Produktion neuer Star Wars-Spiele gestartet werden kann und EA ist sicher nicht dafür bekannt sehr sportsmännisch mit Niederlagen umzugehen, auch wenn man selbst nicht das beste aus einem Deal herausholen konnte. Soweit es Star Wars-Spiele betrifft muss man wohl auf positive Entwicklungen nach dem Erfolg von FALLEN ORDER hoffen. Positiv für SWTOR-Fans, EA wird wohl die Server solange am Laufen halten wie es sich finanziell vertreten lässt, da man zumindest durch SWTOR mittels Mikrotransaktionen etwas durch die Star Wars-Lizenz verdienen kann.

 

THE HIGH REPUBLIC weckt bei mir also nicht die höchsten Erwartungen und das hat eben seine Gründe, auch weil ich mit Schaudern an vergangene Kollaborationen innerhalb der Star Wars-Legends oder das Desaster der Sequel-Trilogie zurückdenke. Dass sich Drehbuchautoren und Regisseure uneins sind wie man mit einer der lukrativsten IPs des Planeten fortfahren soll mag manchen die Augen geöffnet haben, aber in den Legends stolperte man schon etwas weniger stümperhaft durch ganze Romanreihen, wie die bereits genannten NJO, LotF und FotJ-Reihen. Jeder Autor bevorzugt seine eigenen Charaktere und streicht manchmal völlig Handlungsstränge seines Vorgängers, selbst in Projekten in denen die Romanhandlungen direkt ineinander übergehen sollten. Kommt vor... Ich war trotzdem kein allzu großer Fan davon, auch wenn ich diese Erzählweise bei den 19 Bänden der NJO-Reihe noch vertretbar fand, da die Unzahl von Autoren zumindest dazu führte die verschiedenen Aspekte und Protagonisten des Konflikts zu erforschen. Kohärente Erzählstränge über mehrere Romane konnte man sich nur vom jeweiligen Autor erwarten, der diese Erzählstränge begonnen hatte. Genauso dürfte es wohl auch in THR ablaufen, wobei ich dieses kollaborative Projekt von vornherein etwas in Schutz nehmen möchte, da es sehr dezentral aufgebaut ist und am ehesten mit den NJO-Romanen vergleichbar sein könnte. Space Vikings die Randwelten überfallen und vielleicht eine Gefahr für das zivilisiertere Zentrum der Republik darstellen könnten, das erinnert ja auch ein wenig an die Yuuzhan Vong. Die als Sheriffs am Rande der Republik stationierten Jedi dürften meiner Vermutung nach auch ein wenig an Lukes dezentralisierten Jedi-Orden zu Beginn des Yuuzhan Vong-Konflikts erinnern, wobei die übernatürlichen Fähigkeiten der Jedi-Ritter darüber hinweg täuschen könnten, dass sie sehr wahrscheinlich zur Selbstjustiz neigen. Damit ließe sich thematisch ein wenig der Vergleich zwischen Superhelden und Jedi-Rittern ziehen, vor allem weil Charles Soule als Comic-Autor ja durch Marvel zum Star Wars-Franchise gekommen ist und einen der ersten THR-Romane verfassen wird. Wie sich Soule als Romanautor schlagen wird könnte sich bereits an seiner Doctor Aphra-Kurzgeschichte im Sammelband FROM A CERTAIN POINT OF VIEW ablesen lassen, doch grundsätzlich möchte ich das Argument anführen, dass auch John Jackson Miller zuerst als Comic-Autor ins Star Wars-Universum einstieg, ehe er die LOST TRIBE OF THE SITH-Kurzgeschichten und schlussendlich sowohl den Roman KNIGHT ERRANT, als auch den gelungenen Roman KENOBI zur Legends-Kontinuität beisteuerte. Miller durfte sogar einen Beitrag zum neuen Kanon leisten, als man ihm die Aufgabe übertrug einen der ersten Romane der neuen Kontinuität zu schreiben, das REBELS-Prequel A NEW DAWN über die Begegnung von Kanan Jarrus mit Hera Syndulla.

 

Angesichts der möglichen Verbindung zwischen dem Rand der Republik und den Unbekannten Regionen würde ich auch nicht ausschließen, dass Timothy Zahns THRAWN-Prequel-Trilogie indirekte Verbindungen zu den Ereignissen der HIGH REPUBLIC-Ära aufweisen könnte. Zurückgeschlagene Barbaren-Invasionen könnten sich ja einen anderen Weg gesucht haben oder die Nihil waren ursprünglich selbst vor einer größeren Bedrohung geflüchtet (wie die Goten, welche dem Einfluss der Hunnen entflohen waren). Die Verschiebung von Zahns nächsten Roman könnte also auch mit THR in Verbindung stehen.