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Ein Rück- und Ausblick: Death to Malgus

Insgeheim ist das 10jährige Jubiläum von SWTOR auch das 10. Jubiläum des Sturzes von Imperator Malgus, da Ilum ja sogar noch zum Vanilla Content gehörte...

 

Ilum gehörte 2011 zu den Dingen, die mich beim Abschluss der ersten Klassenstory noch gar nicht interessierten. Erst innerhalb der ersten Wochen des Jänners 2012 erfuhr ich von Malgus Verrat und dass die beiden Flashpoints und die Story im vermeintlichen Daily-Gebiet tatsächlich interessant sein würden. Vor den Story Modes musste man sich allerdings erst einmal eine Gruppe finden (noch dazu in Zeiten vor dem Gruppenfinder) und in den ersten Wochen nach Release war es mangels Equip und Skill noch ziemlich unwahrscheinlich, dass man einfach so eine Gruppe finden konnte, nur um die Story zu clearen (jedenfalls war das für mich damals so). So dauerte es dann auch einige Wochen bis ich mit Hilfe einer Gildengruppe tatsächlich Malgus gegenüberstehen und ihn bezwingen konnte, allerdings im damaligen Hard Mode. Malgus Niederlage war einer der großen Momente für mich, weil wir uns diesen Moment hart erkämpft hatten. Vor Story Modes, Gruppenfindern und der Möglichkeit Malgus regulär zu töten, musste man ihn außerdem stilecht mittels entsprechender Machtfähigkeiten oder eines Sets Granaten in seinem Quasi-Enrage in den Reaktorschacht befördern, etwas das genauso wie bei Revan den Verdacht weckte, Malgus könnte überlebt haben. Die Malgus lebt-Bewegung hielt sich schließlich jahrelang und darf sich heute darüber freuen, dass ihr Lieblings-Antagonist tatsächlich zurückgekehrt ist.

 

Für mich persönlich rangiert Malgus Sturz unter meinen Erinnerungen an den Vanilla Content nach dem Abschluss meiner ersten Klassenstory und dem Corellia-Planeten-Arc an dritter Stelle. Die Sieges-Zeremonie war allerdings auch für die damaligen Verhältnisse eher bescheiden, wobei sich daran bis heute nichts geändert hat. Grafische Updates sind schön und gut, aber außer Gratulationen und eine kurze feierliche Musikänderung bekommt man auf Ilum wenig geboten. Über die Jahre gab es viele beeindruckendere Feierlichkeiten am Ende der Addons und Ilum schafft es heute nur noch wegen des Nostalgie-Faktors und des harten Kampfes durch den HM FP in eine Aufzählung meiner Lieblings-Momente. Vergleichsweise habe ich meinen Sieg über die Schreckensmeister 2013 weit mehr gefeiert, obwohl ich die zum Story-Arc gehörenden Ops (vor allem Denova, Asation und Darvannis) zuvor nur bis zu bestimmten Bossen (damals für die Weekly-Ops-Quests) gecleared hatte. Der Grund liegt vielleicht daran, dass die Schreckensmeister über einen weit längeren Zeitraum als Antagonisten aufgebaut wurden, nämlich insgeheim bereits seit Karaggas Palast und selbst die Expansion des Hutten-Kartels in 2.0 ging indirekt auf das Konto der Schreckensmeister, die dem Kartell zuvor Territorien abgenommen hatten. Malgus trat im Vergleich zu den Schreckensmeistern im Vanilla Content nur als Questgeber für die meisten imperialen Flashpoints auf und bei diesen ließ sich seine Rolle durch den Gruppenzwang leicht überskippen, vor allem wenn man gleich ohne Intro-Quests direkt in die Flashpoints marschierte. So ganz konnte ich den damaligen Hype um Imperator Malgus noch gar nicht verstehen, außer dass er eben ein prominenter Questgeber war und in den Trailern vorkam. Selbst die anderen Klassenstories und Planeten-Arcs bauten Malgus zu keiner großen Bedrohung oder einem bemerkenswerten Charakter auf. Rückblickend konnten wir über die Jahre mehr Gründe finden, um uns Kanzlerin Saresh als Feindin vorstellen zu können, ehe sie uns in KotET die Allianz zu stehlen versuchte. 

 

Seit Ilum hat sich in SWTOR einiges getan, wenn man bedenkt wie viel Mühe man sich damit gemacht hat Story-Arcs wie um die Schreckensmeister (Denova, Asation, Sektion X, Makeb, Darvannis und Oricon) oder die Revaniter (Tython/Korriban, Manaan, Rakata Prime, Rishi, Yavin 4) aufzubauen. Allerdings besaß die Jagd nach dem Imperator mit Ziost zwar einen Höhepunkt, aber sie lieferte schon nicht mehr, ehe sie in KotFE bereits mehr oder weniger zu Ende ging. KotFE hat einiges zerstört, so auch die Erwartungen daran, wie man in SWTOR neue Story-Arcs aufbauen wird. Seit KotET geht es zumindest wieder etwas bergauf, denn Malgus Rückkehr wurde schon im Datamining zu Iokath angeteasert, wenn auch zunächst als roter Hering. Mit Ossus war es dann jedoch soweit und seither haben wir einen Story-Arc um Malgus Befreiung von den Fesseln des Sith-Imperiums (Ossus, Onderon, Mek-Sha, Corellia, Dantooine und nun Elom?) erhalten. Seit Ossus im Dezember 2018 erschienen ist werden es 2021 bald ganze 3 Jahre sein, in denen wir Malgus bisher allerdings nur als Sklaven des Sith-Imperiums oder als Flüchtling gesehen haben. So schön es auch ist Malgus eine umfangreichere Backstory zu verschaffen (die allerdings immer noch nichts verraten hat, wie er wirklich nach Ilum zurückkehren konnte), wir wissen bisher noch nichts über Malgus Pläne und wie die Autoren planen ihn als neuen Antagonisten aufzubauen. Insgesamt würde ich SWTOR seit 5.0 jedoch größere Bemühungen um Konsistenz  innerhalb der Story bescheinigen, was alles auf die neue Rolle Charles Boyds als Creative Director zurückzuführen sein könnte. Boyd war einer der Klassen-Story-Autoren (beim Trooper) und ist somit seit über einem Jahrzehnt mit an Bord. Dass er auch noch ein Star Wars-Fan ist hilft dabei, dass SWTOR in dieser neuen Ära auch immer wieder Material aus den Legends und dem neuen Kanon aufgreift. Nathema war mit seinen Verweisen auf Entscheidungen aus den Klassenstories ein großer Liebesbeweis an den Klassen-Content, was gerade bei einem Flashpoint völlig unerwartet war. So wie Theron Shan zwar schon die Ereignisse auf Iokath manipuliert hat, aber erst auf Umbara zum Verräter wurde und dann auf Nathema als Doppelagent aufflog, so könnte man auch hinsichtlich von Malgus Wandel noch einige Überraschungen in den Plot einweben. Malgus vor Elom ist wie Theron auf Umbara, jemand der zwar bereits eindeutig einen Weg eingeschlagen hat, dessen Motive und Pläne jedoch noch nicht enthüllt wurden. Malgus Flucht über die 3 Jahre an Content-Updates zu strecken lässt mich zumindest hoffen, er könnte sich nun auch 3 Jahre Zeit nehmen, um sich zu einer glaubwürdigen Bedrohung zu mausern. Eine derart lange Rekrutierungstour müsste sich ja auch mit dem Aufbau der Allianz in KotFE und KotET messen oder zumindest jene der Schreckensmeister (von 2012-2013) übertreffen. 

 

Der neue Erzählstil seit 6.0 macht es jedoch möglich, dass sich im Gegensatz zu früheren Zeiten mehrere Plots gleichzeitig weiterentwickeln lassen. In 6.0 führte man den Saboteur-Arc weiter, begann den Malgus-Arc, führte bereits die Dar'manda und Ash'ad ein, während man einen Arc um Tenebraes Körper und dessen vergiftetes Vermächtnis startete. Und so nebenbei läuft auch der auf Ossus begonnene republikanische Story-Arc weiter, in welchem der Jedi-Orden wieder zu neuer Stärke finden will.

 

Für Reps und Imps gibt es hinsichtlich von Malgus Rolle als nächsten Mega-Bösewicht jedoch einen erheblichen Unterschied, für Imps mag er bis jetzt nur ein flüchtiger Verräter sein, für Reps ist er jedoch der Urbösewicht des Sith-Ordens, sogar noch weit mehr als es der Sith-Imperator war, der immer nur im Hintergrund die Fäden zog. Malgus hat einst die Invasion Alderaans angeführt und den Jedi-Tempel auf Coruscant zerstört, beides Aktionen für die man ihn nur auf Ilum zur Rechenschaft ziehen konnte. Doch nun hat Malgus auf republikanischer Seite erneut den Jedi-Orden angegriffen und noch dazu auf der historisch umso bedeutsameren Welt Ossus, dem Jahrtausende alten Sitz des Jedi-Ordens vor Coruscant. Auf Coruscant und Ilum hat Malgus schon einmal zuvor heilige Orte des Jedi-Ordens attackiert, doch gerade hier hat Malgus die Republik auch betrogen, als er sich zunächst als nützlicher Informant gegen Darth Arhos Invasion stellte und dann die Gunst der Stunde nutzte mit seinen eigenen Truppen auf Ilum einzufallen. Die republikanische Seite kann Malgus schon jetzt als Gefahr betrachten, dessen "Hilfsangeboten" man wegen der Erfahrungen auf Ilum nur bedingt trauen sollte. Malgus der Verräter könnte neuerlich seinem Namen gerecht werden, wenn er der Republik hilft imperiale Pläne zu durchkreuzen. Selbst ohne eine eigene Armee hinter sich zu haben könnte Malgus schon bald beginnen dem Imperium zu schaden, auch wenn er damit zunächst nur wie eine vernachlässigbare Gefahr wirken würde. 

 

Nach Coruscant, Ilum und Ossus würde Malgus nun nur noch Tython fehlen, um das Quartett an von ihm geplünderten Jedi-Tempeln voll zu machen. Es gibt zwar kaum Hinweise darauf, dass Malgus die derzeit schlecht verteidigten Jedi-Archive auf Tython ins Visier nehmen würde, doch wir haben jüngst eine "Tython Highlander"-Rüstung im Kartellmarkt erhalten und es gibt wohl zumindest zwei neue NPCs im 7.0 Datamining, die irgendwie mit Tython in Verbindung stehen könnten. Was, wenn sich Malgus den Jedi stellen würde, um nach Tython gebracht zu werden? So käme er den Archiven zumindest sehr nahe und das ganz ohne die Hilfe einer eigenen Invasionsstreitmacht. Auf Tython wäre Malgus dann auch schon relativ sicher vor einer Todesschwadron der Hand des Imperiums. Mit Kira Carsen und Lord Scourge hätten Imperiale aber vielleicht doch eine Chance ihre eigenen Spione nach Tython schleusen zu können. Vielleicht ließe sich sogar Jaesa Willsaam dafür benutzen, Malgus nach Tython zu folgen. Als Kriegsverbrecher würde die Republik zweifellos Malgus Auslieferung, Anklage und Hinrichtung verlangen können, doch wohl erst nach einer eingehenden Befragung. Die Task Force Nova hätte schon jetzt Mitglieder welche sich um Malgus kümmern könnten. Meister Vinyor Tesh wäre von Malgus Worten sicher unbeeindruckt, Tau Idair könnte ihn sehr effektiv im Zaum halten und Meisterin Sal-Deron stellt als ehemalige Verbindungsfrau zum SID die wahrscheinlich beste Verhörspezialistin dar. Malgus zu einem Rematch gegen Satele Shan und vielleicht sogar Supreme Commander Jace Malcom zu bringen ist zumindest etwas, das ich mir für das 10jährige Jubiläum von SWTOR wünschen würde. Selbst ohne Tython ließe sich vermutlich eine Konfrontation zwischen Satele Shan und Malgus erreichen, wobei ich ein eindeutiges Ergebnis für unwahrscheinlich halten würde. Wenn jemand sein Leben opfern wird, um Malgus aufzuhalten, dann vermutlich Aryn Leneer, von der wir bis dahin hoffentlich noch mehr sehen werden. Nachdem T7-O1 ein Gefährte für alle Klassen ist und einst durch Malgus seinen Besitzer verloren hat könnte auch er noch eine Rechnung mit dem falschen Imperator offen haben.

 

Ich halte es aber auch weiterhin für möglich, dass sich Malgus mit einer der beiden mandalorianischen Fraktionen verbünden könnte. Heta Kol und ihre kriegstreiberischen Ambitionen wären Malgus zwar ideologisch sicher am nächsten, doch es wäre auch spannend Malgus erneut auf Shae Vizla treffen zu lassen, nachdem sich die beiden zuletzt bei der Plünderung Coruscants begegnet sind. Aktuell scheint Heta Kol Shae Vizla noch unterlegen zu sein, aber sollten sich die Machtverhältnisse nach 7.0 zu Gunsten von Kols Rebellen verschieben, dann könnte Vizla auf jede Hilfe angewiesen sein, um Kols Möchtegern-Neo-Kreuzritter wieder in den Griff zu bekommen. Anstatt sich mit der Republik oder dem Sith-Imperium einlassen zu müssen wäre Malgus eine vergleichsweise neutrale Alternative. Die Frage ist nur, wie Malgus helfen könnte einen mandalorianischen Bürgerkrieg zu entscheiden. An militärischer Stärke würde es ihm derzeit noch fehlen, doch auf Ilum dienten in seiner Armee einst auch Mandalorianer zu denen er erneut den Kontakt suchen könnte. Auf diesem Weg wäre es möglich, dass Malgus Insiderinformationen über Kols Umtriebe gesammelt haben könnte. Als ehemaliger imperialer Kriegsherr würde sich Malgus vielleicht sogar als Berater anbieten, der die Mandalorianer zu imperialen oder republikanischen Waffendepots führen kann.