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Der ehemalige Lehrling ist nun Meister

Nach dem Rücktritt von Kathleen Kennedy als Präsidentin von LucasFilm ist nun Dave Filoni tatsächlich zu einem der beiden Co-Präsidenten aufgestiegen. Der Lucas-Lehrling wurde nun also offiziell zum Nachfolger seines Meisters gekürt...

Bei solchen Nachrichten kann auch ich nicht still sitzen bleiben, aber ich spare mir die gängigen Star Wars-Zitate, zumindest fürs Erste. Und so hebe ich meine Tasse Morgenkaffee und proste dem neuen kreativen Herrn und Meister an der Spitze des Franchises, denn nach unzähligen unkoordinierten Projekten die alle in völlig unterschiedliche Richtungen zu laufen schienen und allerlei Filmankündigungen die zu nichts wurden, sitzt nun jemand auf dem Thron dem Kontinuität und die Lore wichtig ist. Aus der Sicht mancher vielleicht sogar zu wichtig, denn mit Filoni ist auch die neue Furcht vor kreativen Einschränkungen und Caemo-Exzessen verbunden. Nach Jahren der Experimente und Serienprojekten ist so eine Rückbesinnung aber zweckmäßig.

 

In meinen Augen sind die Sequels wegen fehlender Koordination gescheitert, man macht keine Trilogie ohne einen Plan für diese zu haben. Und die kreativen Abweichungen unter den beiden Regisseuren sind ebenfalls nichts das ich so leicht verzeihen kann. Als Fan fühlte ich mich da an die Romanreihen des Expanded Universe erinnert und insbesonders Legacy of the Force, wo in 9 Bänden von 3 Autoren auch mit jedem Autorenwechsel der Cast durchgekrempelt und Storylines auf Eis gelegt wurden. Das Endprodukt war dann ziemlich unausgegoren. Für manche fing diese Problematik schon mit den 19 Bänden der The New Jedi Order Reihe an, wo es noch mehr Autoren waren, die in ihren Büchern ihr eigenes Ding drehen konnten. Selbst unter dem Banner der High Republic gibt es im neuen Kanon ein vergleichbares Projekt, bei dem es schwer fällt den Überblick zu bewahren. Star Wars hatte immer schon chaotische Projekte und künstlicherisch mag so eine Fortsetzungsgeschichte mit wechselnden Autoren ja ihren Wert haben, der einfache Fan schmeißt jedoch gerne mal das Handtuch, wenn er nicht (mehr) findet, was ihm gefällt. Verschiedene Köche verderben den Brei hieße da ein Sprichwort, aber das wird wohl gerne ignoriert.

 

Mein Verhältnis zu Star Wars ist ohnehin etwas abgekühlt und wenn ich dann doch Serien wie The Acolyte sehe, dann frage ich mich, ob es überhaupt eine Qualitätskontrolle gibt. Dazu sei gesagt, dass ich mich nicht an queeren Inhalten störe oder welche politischen Meinungen Regisseure oder Produzenten vertreten. Was zum Problem von The Acolyte wurde waren Änderungen an Lore und Kontinuität, die man durchaus verzeihen hätte können, wären sie klüger umgesetzt worden. Selbst so es ist hätte das ganze Paket mit der unbeflekten Empfängnis, dem Kult machtsensitiver "Hexen" und einem vermutlich abgesägten Sith-Schüler noch begeisterte Aufnahme finden können, wäre der Plot nicht so schlecht inszeniert gewesen. Bei der Inszenierung muss man wohl auf seine Wortwahl achten, denn ich meine sicher nicht die Stunts, die durchaus zum besten gehören, was das Franchise zu bieten hat. Der Lichtschwertkampf zwischen der Jedi-Gruppe und dem Sith ist für mich ein Highlight der Serie gewesen. Aber was hat die Serie sonst noch, außer einem genialen Lichtschwertkampf und fragwürdigen Ergänzungen zur Lore? Für manche Fans reicht das schon, es gibt genügend Comics oder Romane, die schon mit einem dieser beiden Pluspunkte wegkommen. The Acolyte hat aber auch einen Plot und der ist das Problem. Als "Jagd nach einem Mörder"-Story ist The Acolyte eher unspanned und würde in meinen Augen wohl kaum auf ein 5/10 kommen. Im Fokus stand bei The Acolyte wohl eher die "Rule of Cool" oder "Aurafarming", also eher oberflächliche Faktoren. Daran scheitert das ganze Projekt nämlich, es ist zwar im großen und ganzen zwar Star Wars, aber keine besonders gute Story, die nicht auf eigenen Beinen stehen kann. Ganz anders Andor. Die Serie der man zuvor überhaupt keine Chancen zuschrieb, weil sie nur die Origin-Story eines Quasi-Nebencharakters aus einem der weniger wichtigen Filme des Franchise behandelte, wurde nicht durch Lore oder Lichtschwert-Action zur meist gerühmten Star Wars-Serie, sondern weil sie auf ihren eigenen Beinen stehen konnte. Andor hat Tiefgang und ist ein sehr gutes politisches Drama vs. The Acolyte als unterdurchschnittlicher Thriller. Andor hatte neben Tony Gilroy aber auch Beau Willimon (House of Cards, die US-Serie) als Autor mit an Bord, was zum Qualitätsanspruch der Serie beitrug. Große Namen sind nicht immer die Lösung, aber zumindest hilft es Leute mit Erfahrung ins Bord zu holen. The Book of Boba Fett mag als Flop gelten, aber es hatte auch den großen Namen Robert Rodriguez angeheftet. Ich finde The Book of Boba Fett zudem gar nicht so schlecht, es ist halt stilistisch nicht ganz das geworden, was im Fandom Erfolg verspricht. 

 

Ideal wäre es nun wohl, wenn in der Filoni-Ära Projekte wie Andor gefördert und The Acolyte vermieden werden. Also mehr Inhalt statt Flair? George Lucas Star Wars lebte aber auch sehr stark von "Flair" im Sinne erinnerungswürdiger Szenen und Bilder, nicht unbedingt aufgrund seiner Dialoge oder des Plots. Mehr Andor zu wagen könnte auch nach hinten los gehen, denn Star Wars ohne Lichtschwerter ist immer so als würde etwas fehlen und bringt nicht die Mehrheit der Fans an Bord. Die ursprüngliche Kritik an Andor war durchaus gerechtfertigt und trug womöglich auch zum Scheitern von The Book of Boba Fett bei - Nebencharaktere, selbst solche mit Kultstatus wie Boba Fett, ziehen nicht immer genügend Fans an, um Erfolg zu garantieren und dann gilt es ohnehin noch, diese Fans mit der Storyline zufriedenzustellen. Man muss nur den Vergleich mit Marvel wagen, wo die Serienproduktionen regelrecht explodiert sind und sogar Nebencharaktere aus den Serien schon eigene Spinoffs erhalten, wie Agatha Harkness. Aber Agatha wirkte in WandaVision halt auch wie ein interessanter Charakter, ähnlich wie Kleya Marki (gespielt von Elizabeth Dulau) in Andor. Aber wer Andor oder WandaVision nicht kennt wird sich nur schwer für eine Serie mit Agatha Harkness oder Kleya Marki hypen lassen. Das Zielpublikum wird so auf Dauer immer kleiner und damit auch der Erfolg. Ich glaube also nicht an eine Erfolgsgarantie für ein Kleya-Spinoff.

 

Star Wars braucht Zugpferde, das war auch im EU schon so. Star Wars Romane wie Scourge, nur mit Neuerfindungen hatten es ungleich schwerer als irgendeine Geschichte mit Luke Skywalker. Ich glaube es war Autor Drew Karpyshyn der zudem die Hierarchie der Medien ins Spiel brachte, als er einmal zur Bedeutung seiner Star Wars-Schöpfungen gefragt wurde. Nach Karpyshyn ragen Filme über alles hinaus, da sie die breiteste Masse erreichen, also das größte Publikum haben. Danach kommen Serien, erst dann Videospiele und schließlich Romane, die noch über Comics angesiedelt sind. Meiner Erfahrung nach kann es zwischen den Stufen nur Verschiebungen geben, wenn ein Franchise seinen Anfang auf einer niederen Stufe nahm. Watchmen zB wäre ein Comic gewesen, ich würde aber behaupten mehr Leute hätten den Film gesehen als den Comic gelesen und selbst die Zuschauerschaft der Serie könnte höher sein als die Kenner des Comics, wenn sie nicht auf einem PayTV-Kanal wie HBO gelaufen wäre und Filmkenner vergrault hätte, weil sie sich am Comic statt dem Film orientierte. Oder man nehme The Walking Dead, die Comicserie hat auch zu einem Telltale-Spiel geführt, das aber wohl weit weniger bekannt sein dürfte als die Comics und trotzdem hat die TV-Serie wohl auch den Comic längst weit überflügelt. Das Positive an der Beförderung Dave Filonis ist, dass er die "Beförderung" von Medieninhalten versteht. Live Action Thrawn ist da ein Beispiel. Filoni ist es gelungen Lars Mikkelsen zu rekrutieren und nicht nur in Animationsprojekten, sondern nun auch in Live Action-Projekten in dieser Rolle einzusetzen. Der Roman-Charakter Thrawn ist nun weit bekannter und das trotz seines Status als legendärer Kult-Charakter usw. Selbst George Lucas griff auf EU-Content zurück und baute diesen in seine Filme ein, wie Aayla Secura in der Arena von Geonosis, auch wenn er wenig vom an Fan Fiction grenzenden Anhängsel seines Franchises hielt.

 

Kathleen Kennedy ließ scheinbar einfach alle Abteilungen von LucasFilm machen was sie wollen, als Ex-Produzentin könnte sie ihre Rolle nun einmal so aufgefasst haben, den Kreativen ihre Freiräume zu lassen. Das führte dann auch zur Sequel-Trilogie, wo jeder machen durfte was und wie er will, sowie den kreativen Differenzen mit Josh Trank (Episode IX), Gareth Edwards (Rogue One) und nicht zuletzt dem Duo Phil Lord und Christopher Miller (Solo), die von ihren Regisseurposten zurücktreten mussten. Gewähren lassen hieß unter Kennedy, dass es keine übergeordnete Aufsicht gab und jeder Teil des Franchises sich selbst zu organisieren hatte. Das führte zu einem Machtvakuum und im Animationsbereich wurde dieses ohne Probleme von Dave Filoni ausgefüllt, der schließlich auch am Prestige-Projekt The Mandalorian beteiligt wurde und durch die Vernetzung von und mit der Realserie eine Art Mandoverse innerhalb des Star Wars-Franchise erschuf. Anders betrachtet hat Filoni nur das getan, was 2014 als Versprechen im Raum stand - ein einheitlicher Kanon für alle Star Wars Werke, wo alles miteinander vernetzt sein wird. Die Realität sah mit der Sequel-Trilogie jedoch zunächst anders aus. Und die Standalone-Filme änderten wenig daran. Dave Filonis Aufgabe, aus Sicht der Fans, ist es nun das vermeintlich zersplitterte Franchise wieder zusammenzufügen und die Brüche zu kitten, die nun schon einige Jahre existieren. Vielleicht schafft er es, wenn er an dieser Aufgabe wächst oder es wird sich kaum etwas ändern.

 

Ich bin jedoch hoffnungsvoll, dass der neue Großmeister dem Franchise neuen Schwung und eine einheitlichere Ausrichtung geben kann. Was mir diese Hoffnung gibt ist The Clone Wars, das von George Lucas und Dave Filoni geschaffen wurde. Filonis Vision von Star Wars hat ein starkes Fundament in Form der Prequel-Ära inklusive der Klonkriege. Und für meinen Geschmack wurde diese Ära außerhalb von The Clone Wars ohnehin oft vernachlässigt, bis auf einige Jugendbuchreihen und Comics. Aber selbst die Comics zwischen Episode 1 und 2 sind sehr rar und oft nur Geschichten über die Anakin & Obi-Wan-Dynamik. Selbst mit dem Dooku Hörspiel ist in meinen Augen noch lange nicht alles über den späteren Darth Tyranus gesagt und ich hoffe heute wieder auf eine Tyranus Roman-Biografie im Stil von James Lucenos Darth Plagueis. Filoni machte schon Darth Maul zu einem vielschichtigen und interessanten Charakter, wieso also nicht auch den Count von Serenno? Der Weg in die Klonkriege könnte durchaus sein Rampenlicht verdient haben, denn es scheint als würde man sich viel lieber jeder anderen Ära widmen. In meinen Augen könnte eine Serie wie Andor auch zwischen Episode 1 und 2 funktionieren. Skrupellose Megakonzerne, Rechtlosigkeit, Gesetzeshüter die durch politische Interventionen in ihrer Arbeit behindert werden und eine vermeintliche Alternative in Form der Separatisten, die allerdings ebenso von Megakonzernen und einem möglichen Tyrannen gesteuert werden.